giovedì 5 agosto 2021

TRADUZIONE IN LINGUA TEDESCA DELLO STUDIO DI FRANCO BARBERO SUL "MADONNISMO" DI ANTONELLA IPPOLITO

 EINE AUSEINANDERSETZUNG MIT DEM „MADONNISMUS“

von Franco Barbero

Einige Prämissen:

1) Wer diese Zeilen als einen respektlosen, verächtlichen Abwertung gegenüber frommen Menschen lesen sollte, wäre weit von der Absicht dieser Überlegungen entfernt. Gegenstand meines Diskurses ist eher jenes „religiöse Phänomen“, das ich ‚Madonnismus‘ nenne: und das ist ein echtes System, eine der wichtigsten Säulen nicht nur der Volksfrömmigkeit, sondern des gesamten traditionellen Katholizismus, heute durch die dogmatischen Definitionen von Nizäa, Ephesus und Chalkedon als unantastbar geschützt. Verteidigt die Hierarchie die marianische Dogmatik mit Klauen und Zähnen durch Exkommunikationen, so geschieht es deshalb, weil ohne sie das ganze Gebäude zusammenfällt: Die Hierarchie ist sich dessen bewusst, dass eine Abschaffung der offiziellen Mariologie den Katholismus zerstören würde.


2) Die Nüchternheit der im Christlichen Testament enthaltenen Daten verhilft uns auf jeden Fall zur Rekonstruktion einer kleinen ‚Identitätskarte‘ der Familie von Nazareth (siehe Giuseppe Barbaglios Jesus von Nazareth): Dazu gehören Maria, Josef, ihr Ehemann und ihre Söhne und Töchter einschließlich Jesus. Eine jüdische Familie im wahrsten Sinne des Wortes. Nur Dogmatismus lässt Zweifel an diesen unumstritten festgestellten Tatsachen aufkommen.


Mit all seinen Dogmen und Frömmigkeitsformen, den Erscheinungen, dem Aberglauben hat der ‚Madonnismus‘ die reale historische Gestalt der Maria von Nazareth ausgelöscht und eine ungeschlechtliche Figur, ein Bild, ein Symbol, eine Halbgöttin geschaffen. So wurden das Leben und der Glaube Marias unter einem Berg von Dogmen und Legenden begraben.

Wie der Theologe Hans Kung in seinem Buch Ist die Kirche noch zu retten? (Piper) betont, besteht die Gefahr darin, dass das Zentrum des christlichen Glaubens verloren geht und ‚Kartenhäuser‘ entstehen, welche die Ernsthaftigkeit und Glaubwürdigkeit sowohl der Kirche als auch der Botschaft des Evangeliums beeinträchtigen.


LASS UNS MAL AUF DIE GESCHICHTE ZURÜCKSCHAUEN...

Einige Jahrhunderte lang stand Maria überhaupt nicht im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit: Den Wendepunkt markierten drei Konzilien (325 in Nicäa, 431 in Ephesus und 451 in Chalcedon). Auf dem Konzil von Ephesus im Jahr 431 wurde Maria als ‚Mutter Gottes‘ definiert. Von diesem Moment an werden Christologie und Mariologie zu einem dogmatisch komplett verstrickten, ganzen Komplex. Gerade zu diesem Punkt wurde Maria – im kulturellen System der damaligen Zeit –zum Ersatz für heidnische Gottheiten. Die Missionsstrategie der katholischen Kirche war weitsichtig. Maria sollte die heidnischen Göttinnen durch eine christliche Göttin ersetzen, wie Mary Christine Athans in ihrem Buch In Quest of the Jewish Mary: The Mother of Jesus in History, Theology, and Spirituality (Orbis Books) dokumentiert hat. Die Kunst wurde von kaiserlichen und hierarchischen Mäzenen in den Dienst der Dogmatik gestellt: So wurde Maria nach und nach in ihrer Realität als jüdische Frau ausgelöscht, um zur Ikone eines himmlischen Feminismus zu werden.


Nach dem plötzlichen Tod von Kaiser Theodosius II heiratete seine Frau Pulcheria den alten römischen Senator. Nach ihrer Thronbesteigung sorgten sie für eine Verbreitung der kaiserlichen Mariensimaginäre im ganzen Reich. Gemeinsam mit Kaiser Marcion leitete Pulcheria 451 die letzte Sitzung des Konzils von Chalkedon. Eine Bewegung, die

von ihr und anderen am kaiserlichen Hof einflussreichen Leuten unterstützt war, führte schließlich zur Verherrlichung Mariä als „Theo-tokos“, der Mutter Gottes: Diejenigen (und das waren die meisten), die Christo-tokos, Mutter Christi sagt5en, wurden ausgestoßen und zu Ketzern erklärt. Im Sinne des Ritterkodex wurde Maria in der Folgezeit allmählich immer als Dame, Madonna, mea domina dargestellt: Siehe das Buch Maria nell'arte von Renato Pisani (Gangemi Ed.).

Es ist unglaublich, wie diese himmlisch-kaiserlich konnotierte Figur jahrhundertelang in den bildenden Künsten vorherrscht. In der mittelalterlichen Kunst wird Maria mit dem Kind isoliert und im Triumph der Engel gefeiert... Aber die wirkliche Entwicklung - auch in der Frömmigkeit - kam um das Jahr 1000, als das Ave Maria entstand; eine falsche Übersetzung aus dem Griechischen, die nichts mit "voller Gnade" zu tun hat, sondern bedeutet „Gott hat dir die Gnade gegeben“, eine Gnade, die kein Privileg, sondern ein Geschenk ist. Kurz darauf entsteht der Rosenkranz, der sich jedoch nicht sofort verbreitete und zunächst aus 5, später aus 15 Geheimnissen bestand. Auch der große Dichter Dante leistete zu dieser mariologischen Feier seinen Beitrag.


Als die Reformation ausbrach, kam es zu einigen sehr interessanten Kämpfen. Während Luther sich auf diese Diskussion nicht weiter einließ, begann Calvin, sich zu widersetzen: Sein Standpunkt wird sich in der Reformation durchsetzen. In der Zwischenzeit war die große Eroberung der ‚neuen Welt‘ in vollem Gange: Die conquistadores, wie wir wissen, hielten vom Evangelium nicht so viel, dafür brachten Sie in die Welt Amerikas zwei zwei große Zeichen des katholischen Christentums mit: die Gottesmutter und den Papst, eine Madonna als Königin der Welt und den Papst als universellen Herrscher der Kirche. Es ist eben im Jahre 1531, dass die erste Erscheinung der Madonna in Guadalupe datiert wird; und 1571 kommt es zum großen Aufblühen des Rosenkranzes, denn „mit Hilfe der Madonna" gelingt es den christlichen Truppen bei Lepanto, den Sieg über die Muslime zu erringen. Der Papst wird dann den Rosenkranz einführen, um die Madonna der Siege zu feiern: Je mehr wir beten, desto mehr besiegen wir die Häretiker. Zu dieser Zeit verbreitet sich auch das Salve Regina: "unser Leben, unsere Hoffnung und unser Heil".


Der unheilvolle Genius des Katholizismus verstand, dass je strenger die Figur Gottes und je anspruchsvoller die Figur Jesu wurde, um so mehr es notwendig war, dass eine helfende Madonna sie konterkarierte, einer Retterin mit den tausend Namen, die später in den vielfarbigen und extravaganten Lauretanischen Litaneien auftauchen sollten: Madonna aller Gnaden, universelle erste Hilfe usw.

Im 14. bis 15. Jahrhundert findet diese Expansion... einen universellen Anklang. Die Zeit der Aufklärung schien den Triumph der Frömmigkeit und der Mariologie für kurze Zeit zu überschatten, aber die Päpste des 19. Jahrhunderts kamen: So erklärte Pius IX. 1854, d. h. zur Zeit des Aufblühens in Europa einiger bewusster Frauenbewegungen, das Dogma der Unbefleckten Empfängnis. Pius XII. ersann 1950 eine weitere Idee, und zwar Mariä Himmelfahrt, ihre Aufnahme durch Engel und Heilige... Je reaktionärer die Päpste sind, desto marianischer sind sie, und so ist dies die Zeit, in der die Erscheinungen der Madonna beginnen (Lourdes, Fatima bis Medjugorje...). Die Theologen, die diese Erscheinungen, diese ‚Konstruktionen‘ der so genannten Volksfrömmigkeit, in Frage gestellt haben, fanden wenig Beachtung und wenig Glück, weil die katholische Struktur diese Verehrung für ihr Überleben unbedingt braucht.

In der Zwischenzeit, im Jahr 1759, wurde der Marienmonat ausgerufen, gefolgt von Rosenkränzen, Novenen, marianischen Versammlungen u.v.m. Die Litaneien wurden erneuert und ergänzt, es erscheinen Madonnen, Madonnenstatuen entstehen, sogar wandernde Madonnenhäuser (Loreto und Oropa) werden gefunden. Die ganze Welt wurde im zweiten Jahrtausend nach und nach mit Kirchen, Heiligtümern, Pylonen bevölkert... Je mehr sich die Gesellschaft säkularisiert, desto mehr wird die Gottesmutter klerikal und funktional für die hierarchische Institution. Mit Radio Maria wächst der Ozean der Frömmigkeitsgeschäfte. Erscheinungen finden ununterbrochen statt: die weiße, schwarze, Mestize Madonna (aber niemals in ‚Regenbogenfarben‘!!!), diese Gipspuppe, flattert weiter und erscheint von einem Ende der Welt zum anderen, spricht von Teufeln und verschiedenen Teufeleien und verkündet eine Botschaft, die mit der Botschaft des Nazareners wenig übereinstimmt. Es kommt nicht mehr so sehr auf die Gnade Gottes an; Maria schenkt die Gnaden. Die Madonna der Dogmen und Andachten hat die wirkliche Maria verdrängt.


Der Übergang vom Mythos des Dogmas, der Frömmigkeit und des Madonnenglaubens zur Entdeckung der wahren Maria ist eine schöne und schwierige Aufgabe der historischen Rekonstruktion und der Erneuerung des Glaubens. Es geht keineswegs darum, Mythen und Kunst in einer Art Ikonoklasmus auszulöschen, sondern darum, sie als historische Produkte zu lesen, die dem System des Christentums völlig innewohnen und diesem funktional sind.


Es geht nicht darum, Maria zu vergessen, sondern vielmehr darum, sie wiederzuentdecken, indem man aus dem Gefängnis der Madonnenkulte, -Erscheinungen und des damit verbundenen Aberglaubens ausbricht. Es ist heute notwendig, dieses historische Zerrbild von Maria von Nazareth hinter sich zu lassen, um das kirchliche und geschäftliche Gebäude zu zerstören, das geschaffen wurde, um das Volk Gottes zu infantilisieren und die weibliche Figur Marias zu entstellen. Das ist heute der entscheidende Schritt: die Abkehr vom ‚Madonnismus‘ zugunsten eines wahren und würdigen Gedenkens. Maria war eine Frau voller Selbstvertrauen, eine starke Frau wie die Mütter der Propheten. Hätte sie nicht fest an Gott geglaubt, wäre sie nicht in der Lage gewesen, die Realität, die sie erlebte, zu ertragen.

Angesichts der Schwierigkeiten gibt Maria nicht auf, nicht einmal angesichts der ‚wahnsinnigen‘ Entscheidungen ihres Sohnes, nicht einmal angesichts seiner Kreuzigung. Maria wird im Abendmahlssaal anwesend sein; also keine ätherische, flüchtige, glorreiche Gestalt, sondern eine Frau mitten im Leben, eine Frau mitten im Glauben, ein radikales Vertrauen in Gott.

Von Mutter Jesu wird sie zu Seiner Jüngerin, wie uns die Apostelgeschichte berichtet. Nehmen wir dieses Zeugnis auf, suchen wir einen erwachsenen Glauben, der uns die wirkliche Maria wieder vor Augen führt: dann werden wir viel von ihrem Glaubensweg lernen können. Sie begegnete einem harten Los, Schwierigkeiten, Zweifeln, Verwirrung. Maria bleibt auch für unseren Glauben eine große Zeugin. Es geht darum, die Mariolatrie auszulöschen, die einen infantilen Glauben bewahrt und dazu dient, eine Frau zu verherrlichen, sie zu einer Göttin zu machen, und dabei echte Frauen in der Geschichte der Gesellschaft und der Kirche in den Hintergrund zu drängen. Dies ist in der Tat der von der offiziellen Kirche mit großem Geschick und Macht betriebene Missbrauch Mariä.


Dies ist ein schwieriger Übergang, denn für das Gebäude des katholischen ‚Schlosses‘ gibt es ohne die Madonna nur den Abgrund und die Schlucht.

Für meinen Glauben und für Millionen von Gläubigen ist jedoch Maria eine anregende Präsenz auf dem Weg der Treue zum Gott des Lebens.

Franco Barbero


Ringraziamento:

non so come ringraziare l'amica e sorella che, usando le sue competenze accademiche e linguistiche, spesso fa a me e alla comunità il dono di tradurre qualche nostro elababorato.

A te e a Sergio un carissimo saluto e l'ugurio di un po' di ferie e di riposo.

Un abbraccio Franco e Fiore e tutta la comunità